Seit dem 1. März 2021 tragen Geschirrspüler in der EU ein neu skaliertes Energielabel. Die alten Klassen A+, A++ und A+++ sind ersatzlos weggefallen, die Skala läuft wieder von A bis G. Die Klassen wurden dabei bewusst so gesetzt, dass die Spitzenplätze zunächst leer bleiben — ein Gerät der Klasse C nach neuem Label kann technisch dem entsprechen, was früher A++ hieß.
Wer alte und neue Angaben nebeneinander sieht, vergleicht also nicht dasselbe.
Was auf dem Label steht
Das aktuelle Label nennt fünf Angaben:
- Energieeffizienzklasse A bis G, bezogen auf das Eco-Programm
- Energieverbrauch in kWh je 100 Zyklen — nicht mehr pro Jahr
- Wasserverbrauch in Litern je Zyklus
- Programmdauer des Eco-Programms in Stunden und Minuten
- Geräuschemissionsklasse A bis D zusätzlich zum dB(A)-Wert
Die Umstellung auf „je 100 Zyklen“ hat einen praktischen Grund: Die frühere Jahresangabe unterstellte eine feste Zahl von Spülgängen, die mit dem eigenen Haushalt selten übereinstimmte. Mit dem 100-Zyklen-Wert rechnet man den eigenen Verbrauch direkt aus — bei täglichem Betrieb sind es rund 3,65 Ladungen pro 100 Zyklen und Jahr.
Was die Werte für den eigenen Haushalt bedeuten, rechnet der Verbrauchsrechner aus — inklusive Vergleich zweier Geräte über zehn Jahre.
Warum das Eco-Programm so lange dauert
Auf dem Label steht die Dauer des Eco-Programms, und die liegt bei aktuellen Geräten häufig bei drei bis vier Stunden. Das irritiert, ist aber Absicht.
Reinigungswirkung entsteht aus Temperatur, Mechanik, Chemie und Zeit. Wer die Temperatur senkt, um Strom zu sparen, muss die Einwirkzeit verlängern, um dasselbe Ergebnis zu erreichen. Das Eco-Programm heizt weniger und spült länger — der Strom, der beim Aufheizen gespart wird, ist deutlich mehr als der, den die Pumpe in den zusätzlichen Stunden zieht.
Kurzprogramme sind deshalb keine Sparprogramme. Sie sind schnell, weil sie heißer spülen, und verbrauchen in der Regel mehr Strom und mehr Wasser als Eco.
45 cm gegen 60 cm im Verbrauch
Die schmale Maschine verbraucht absolut weniger — pro gespültem Gedeck aber mehr. Der Grund liegt in der Physik: Pumpe, Heizung und Steuerung sind Grundlasten, die kaum mit der Gerätebreite skalieren. Ein 45-cm-Gerät heizt einen kleineren Wasserkörper, aber es heizt ihn genauso oft.
Praktisch bedeutet das: Wer die Nische für 60 cm hat und regelmäßig volle Ladungen zusammenbekommt, spült dort günstiger. Wer die Nische nicht hat oder mit einem 60-cm-Gerät nur halbvoll starten würde, fährt mit 45 cm besser — eine halbvolle große Maschine ist die teuerste Variante von allen.
Was den Verbrauch im Alltag stärker beeinflusst als die Klasse
Vorspülen von Hand. Der Wasserverbrauch beim Abspülen unter dem Hahn übersteigt schnell den kompletten Wasserbedarf eines Spülgangs. Grobe Reste abkratzen genügt; moderne Geräte erkennen den Verschmutzungsgrad über einen Trübungssensor und passen das Programm an. Wer vorspült, meldet dem Sensor „sauber“ und bekommt ein kürzeres Programm — mit schlechterem Ergebnis für den Rest der Ladung.
Warmwasseranschluss. Manche Geräte dürfen an die Warmwasserleitung angeschlossen werden. Das lohnt nur, wenn das Warmwasser günstiger erzeugt wird als der Strom kostet — etwa bei Solarthermie. Bei elektrischer Warmwasserbereitung ist es ein Nullsummenspiel oder ein Verlust. Ob das Gerät es überhaupt darf, steht im Datenblatt; die zulässige Vorlauftemperatur liegt meist bei 60 °C.
Programmwahl. Kurzprogramme sind keine Sparprogramme — welches Programm wann richtig ist, steht unter Programme und Funktionen.
Beladungsgrad. Eine zu drei Vierteln gefüllte Maschine verbraucht praktisch dasselbe wie eine volle. Halbe Ladungen sind die teuerste Betriebsart, auch mit Halblastprogramm.
Zeitvorwahl. Sie spart keine Energie, kann aber Geld sparen — bei einem Zeittarif oder wenn Photovoltaik-Überschuss verfügbar ist.
Fazit
Die Effizienzklasse allein trägt die Kaufentscheidung nicht. Aussagekräftiger sind die absoluten Zahlen: kWh je 100 Zyklen und Liter je Zyklus, jeweils im Verhältnis zu den Maßgedecken. Und die größte Einzelersparnis liegt ohnehin nicht im Gerät, sondern darin, es voll und im Eco-Programm laufen zu lassen.
